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Dreharbeiten für einen Videofilm
Die Dreharbeiten sind der wichtigste Arbeitsschritt bei der Realisierung eines Filmes. Die Idee zu einem Film kann noch so originell sein, das Drehbuch noch so brilliant, ohne aussagekräftige, handwerklich und technisch einwandfreie Aufnahmen lässt sich später bei der Nachbearbeitung kein guter Film daraus montieren. Bereiten Sie sich daher gut auf die Dreharbeiten vor und seien Sie vor Ort umsichtig und aufmerksam, damit Ihnen keine unwiederbringliche Aufnahme entgeht.
Jede Drehsituation ist anders, es gibt daher kein Patentrezept für perfekte Dreharbeiten. Dennoch lassen sich Ratschläge und Empfehlungen geben, die sich in der Praxis bewährt haben.
Vorbereitung
Erstellen Sie vor Beginn der Dreharbeiten einen Drehplan. Notieren Sie alle wichtigen Einstellungen sowie die zeitliche Abfolge. Lassen Sie genügend "Luft", damit Sie am Drehort flexibel auf neue Situationen reagieren können; außerdem dauern Dreharbeiten erfahrungsgemäß immer länger als am Schreibtisch geplant.
Vorab kontrollieren Sie noch die Ausrüstung, damit später beim Dreh nicht plötzlich Akkus oder Kassetten oder sonst ein notwendiges Utensil fehlt. | Kamera
|  | Akkus / Netzteil
|  | Kassetten
|  | Stativ
|  | Stativplatte
|  | Mikrofonierung
|  | Kopfhörer
|  | Tonkabel
|  | Lichtkoffer
|  | Verlängerungskabel, Mehrfachstecker |
KameraarbeitBeginnen Sie mit einer Totalen. Wählen Sie dafür einen geeigneten Kamerastandpunkt, der einen guten Überblick über das Geschehen bietet, am besten etwas erhöht. Diese Totale können Sie immer als Anfangs- oder Schlussbild einer Sequenz verwenden. Danach probieren Sie einen Panoramaschwenk, um später am Schnittplatz eine Alternative zur Totale zu haben.
Drehen Sie jetzt noch verschiedene Ausschnitte aus der Gesamtszenerie mit unterschiedlichen Brennweiten. Wenn alle interessanten Motive "im Kasten" sind, wechseln Sie den Kamerastandpunkt und gehen näher ran ans Geschehen. Machen Sie dort die Nah- und Großaufnahmen, suchen Sie nach witzigen Details, fangen Sie die Stimmung mit der Kamera ein.
Tipp: Nicht alles, was gut ist, muss aufgenommen werden, aber alles, was aufgenommen wird, muss gut sein. Versuchen Sie möglichst filmchronologisch zu drehen, d.h. nehmen Sie die Einstellungen in der Reihenfolge auf, wie Sie später im Film verwendet werden sollen. Das hat den Vorteil, dass Sie immer genau wissen, an welcher Stelle des Filmes Sie sich gerade befinden und welche Aufnahmen noch fehlen. Außerdem können so Anschlussprobleme, z.B. aufgrund wechselnder Lichtstimmungen, leichter vermieden werden.
Interviews
Bei einem Interview wählen Sie vorher bereits einen geeigneten Drehort, wo Sie ungestört und in Ruhe arbeiten können. Die Umgebung sollte einen Bezug zur Gesprächspartnerin haben. Das kann in einem Büro sein oder auch im Freien, allerdings nicht gerade neben einer stark befahrenen Straße.
Die Kamera befindet sich auf Augenhöhe der Gesprächspartnerin, die Schärfe liegt ebenfalls auf den Augen. Die Blickrichtung der Interviewten geht knapp an der Kamera vorbei zum Fragesteller. Soll das Mikrofon im Bild zu sehen sein oder nicht? Wenn ja, benutzen Sie ein dynamisches Mikrofon. Wenn nicht, nehmen Sie ein Richtmikrofon oder ein Ansteckmikrofon.
(siehe auch: Mikrofonierung).
Fangen Sie mit den weniger wichtigen und leichter zu beantwortenden Fragen an, damit die Gesprächspartnerin ihre Scheu und Nervosität vor der Kamera abbauen kann. Stellen Sie offene Fragen, die nicht einfach mit Ja oder Nein zu beantworten sind. Sollen die Fragen ebenfalls aufgezeichnet werden, so drehen Sie den Fragesteller seperat nach dem Interview. Machen Sie auch ein paar Aufnahmen, wie der Fragesteller nur zuhört, sowie etliche neutrale Bilder, sogenannte Cutaways. Diese Bilder können Sie später am Schnittplatz verwenden, um das Gespräch zu kürzen.
Musikaufnahmen
Bei Musikaufnahmen brauchen Sie zu den Bildern einen erstklassigen Ton. Der einfachste Weg, um zu guten Tonaufnahmen zu gelangen, ist den fertig abgemischten Ton aus dem Mischpult direkt in die Kamera zu überspielen. Falls kein Tonmischpult vorhanden ist oder ohne elektrische Verstärkung gespielt / gesungen wird, stellen Sie ein Mikrofon mit Kugelcharakteristik auf ein Stativ etwa in die Raummitte, wo der beste Klang zu erwarten ist.
Wenn Sie Musikaufnahmen machen, lassen Sie die Kamera immer angeschaltet, damit Sie einen durchgängigen Ton erhalten.
Drehen Sie jetzt in verschiedenen Einstellungsgrößen die Musikaufführung. Anschließend, bei einem anderen Musikstück, machen Sie Aufnahmen der Zuhörer, einzelne Personen, Gruppen und des gesamten Publikums. Diese Bilder können Sie dann am Schnittplatz über die Ton- und Bildschnitte legen.
Tipp: Beschriften Sie bei jedem Kassettenwechsel die Kassette mit laufender Nummer, Datum und den aufgenommenen Motiven. Vergessen Sie nicht, die Aufnahmesicherung zu drücken.Teamarbeit |  | |
Filmen ist Teamarbeit. Der Abspann eines großen Kinofilms liest sich manchmal wie das Einwohnerverzeichnis einer Kleinstadt: Schauspieler/innen, Drehbuchautor/in, Produzent/in, Regisseur/in, Kameramann/frau, Toningenieur/in, Cutter/in, jede/r mit mindestens einem Assistenten, technischer Stab, Fahrer, Maskenbildner/in, Requisiteure u.s.w., lauter Spezialisten auf ihrem Gebiet, die alle auf das gemeinsames Ziel hin arbeiten, einen möglichst guten und dazu kommerziell erfolgreichen Film zu realisieren.
Warum nicht die Erfahrungen des großen Kinos für die Schule nutzen? Ohne funktionierendes Teamwork und klare Aufgabenverteilung kann es keinen guten Film geben. Mit dem Unterschied zu Hollywood, dass jeder beteiligte Schüler die Chance bekommen sollte, vor und hinter der Kamera zu agieren, einmal den Regisseur zu spielen, dann den Ton zu angeln, mal ein Interview zu führen und danach für's Catering, die Verpflegung der Crew, zuständig zu sein.
Autoren: Robert Lambrecht und Berti Schwarz. © Robert Lambrecht und Berti Schwarz.
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