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Kamerabewegungen



Es werden grundsätzlich zwei Formen der Kamerabewegung unterschieden: Schwenk oder Fahrt.

Der Schwenk


Bei einem Schwenk wird die Kamera vertikal, horizontal oder diagonal um eine feste Achse bewegt, entweder vom Stativ oder von der Schulter. Der Kamerastandpunkt ändert sich dabei nicht. Technische Voraussetzung für einen sauberen Schwenk ist ein hochwertiges Stativ mit einem hydraulisch gelagerten Schwenk-Neige-Kopf. Nur ein fluidgedämpfter Stativkopf ermöglicht ruckfreies Anfahren, gleichmäßige Bewegung und sanftes Abstoppen der Kamera.

Einen wackelfreien Schwenk von der Schulter oder aus der Hand zu drehen erfordert sehr viel Übung und bleibt in der Regel dem Profikameramann/der Profikamerafrau vorbehalten. Dennoch wird es Situationen geben, in denen von der Schulter gedreht wird, sei es dass kein Stativ vorhanden ist oder wenn es schnell gehen muss.

Damit trotz aller Kompromisse ein 'ansehnlicher' Schwenk daraus wird, sollten Sie folgendes beherzigen:
  1. Überlegen Sie vor der Aufnahme genau, wo der Schwenk beginnen und wo er enden soll. Eine 'Probefahrt' im Sucher lohnt sich allemal.

  2. Stellen Sie die kürzest mögliche Brennweite (weiter Winkel) ein, denn erstens wollen Sie ja viel einfangen und zweitens führt die Kamerabewegung nur bei kurzer Brennweite (und langsamem Schwenk) zu Bildern akzeptabler Schärfe.

  3. Schalten Sie gegebenenfalls Autofokus ab, damit die Automatik die Schärfe nicht verstellt, sollten nahe Vordergrundstrukturen während des Schwenkens das Messfeld passieren. Stellen Sie die Schärfe von Hand (vermutlich auf unendlich) ein.

  4. Filmen Sie zunächst etwa fünf Sekunden mit unbewegter Kamera. Die Einstellung darf keinesfalls mit der Schwenkbewegung beginnen! Dies ist eine eherne Regel, die Sie nicht brechen sollten.

  5. Schwenken Sie dann nur durch Drehung des Oberkörpers über den zuvor geistig abgesteckten Bereich. Stellen Sie sich hierzu sicher auf, mit gespreizten Beinen. In 'Grundstellung' muss die Kamera auf die Mitte des Schwenkbereichs zeigen, so dass sich die linke und rechte Hälfte gleichmässig verteilen.

  6. Setzen Sie die Aufnahme - das ist wiederum eine eherne Regel - am Schlusspunkt noch etwa vier Sekunden fort."

  7. (Richter, Günter: Richtig Videofilmen von Anfang an. Gilching 1994, S.45)

Ein Schwenk sollte begründet und zielorientiert sein. Unmotiviertes Hin- und Herschwenken erzeugt beim Betrachter immer ein ungutes Gefühl, im schlechtesten Fall wendet er sich mit Grausen ab. Begründungen für eine Schwenk sind:

ein Motiv, das sich bewegt, zu begleiten (Verfolgungsschwenk)
einen Überblick zu verschaffen (Panoramaschwenk)
einer Blickrichtung zu folgen (Verbindungsschwenk)
statische Motive zu beleben (Erzählender Schwenk)

Ein Schwenk verbindet zwei Einstellungen miteinander, den Stand vor und den Stand nach der Kamerabewegung. Beide, die Anfangs- und die Schlusseinstellung, müssen für sich alleine stehen können, damit später beim Schnitt die Möglichkeit besteht, zwischen dem Schwenk oder zwei stehenden Einstellungen wählen zu können.

"Nehmen wir zum Beispiel das Problem der Wahl zwischen Schwenk (von einem Gegenstand zum anderen) und einem Schnitt. Die meisten Leute würden sagen, dass der Schnitt mehr manipuliert, dass er unterbricht und die Realität neu formt und dass deshalb der Schwenk die realistischere der zwei Alternativen sei, da er die Integrität des Raums bewahrt.
Und dennoch trifft das Gegenteil zu, wenn wir Schwenk und Schnitt vom Blickwinkel des Betrachters aus sehen. Wenn wir unsere Aufmerksamkeit von einem Gegenstand zum anderen wenden, 'schwenken' wir nur ganz selten tatsächlich. Psychologisch ist der Schnitt unserer natürlichen Wahrnehmung ähnlicher. Zunächst richten wir unsere Aufmerksamkeit auf den einen Gegenstand, dann auf den anderen; wir interessieren uns selten für den Zwischenraum, und doch richtet der filmische Schwenk unsere Aufmerksamkeit ganau dort hin." (Monaco, James: Film verstehen, Reinbek 1995, S.177)

Die Fahrt


Als Kamerafahrt wird jede Bewegung bezeichnet, bei der die Kamera ihren Standort ändert. Sie ist die eleganteste aber auch schwierigste Methode bei Filmaufnahmen. Beim Spielfilm werden Schienen verlegt, auf denen ein gummibereifter Wagen mit Stativ, der "Dolly", geschoben wird. Der Dolly kann auch hydraulisch bis ca. zwei Meter nach oben fahren. Für höhere Vertikalbewegungen wird ein Kamerakran verwendet. Soviel Aufwand kann natürlich nur im Berufsfilm betrieben werden. Mit etwas Phantasie lassen sich jedoch auch ohne richtigen Dolly gelungene Kamerafahrten realisieren. Die einfachste Möglichkeit ist, aus einem fahrenden Zug oder Auto heraus zu drehen. Dabei sollte ein Teil des Fensters oder der Aussenspiegel angeschnitten sein, damit der Zuschauer unvermeidliche Bildwackler versteht und akzeptiert.

Für Kamerafahrten eignet sich prinzipiell jeder fahrbahre Untersatz, der laufruhig ist und ruckelfrei geschoben oder gezogen werden kann. In der Praxis hat sich der Rollstuhl bewährt, auf dem die Kamerafrau/der Kameramann mit Schulterkamera sitzt.

Autoren: Robert Lambrecht und Berti Schwarz. © Robert Lambrecht und Berti Schwarz.

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