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Autorin: Geretschlaeger, Ingrid.

Titel: Eine Medienpädagogin in der Erwachsenenbildung.

Quelle: Norbert Neuß (Hrsg.): Beruf Medienpädagoge. Selbstverständnis – Ausbildung – Arbeitsfelder. München 2003. S. 223-230.

Verlag: kopaed verlagsgmbh.

Die Veröffentlichung erfolgt mit freundlicher Genehmigung des Verlags.



Ingrid Geretschlaeger

Eine Medienpädagogin in der Erwachsenenbildung

  1. Zum Selbstverständnis

„Ich kann niemandem sagen, was du eigentlich machst,“ so klagte kürzlich meine Mutter. Hab ich’s nicht richtig versucht, es ihr zu erklären oder ist meine Tätigkeit wirklich so exotisch? Es ist gar nicht so leicht, einem Menschen, der auf dem Land in einer funktionierenden sozialen Gemeinschaft lebt, den Beruf zu erklären, den ich (mit) ausübe.

Was ist das Typische an meiner medienpädagogischen Tätigkeit? Andere schauen auch fern und reden darüber und regen sich auch über die Berichterstattung da und dort auf, also was ist bei mir anders? Ich denke, ein wesentlicher Unterschied liegt darin, dass ich im Gegensatz zu anderen Medienkonsumenten immer im Dienst bin – selbst wenn ich gemeinsam mit meiner Mutter bei einem der seltenen Besuche am Abend vor dem Fernsehgerät lande oder ich ihre Zeitschriften (zu deren Zielgruppe ich sonst nicht zähle) durchstöbere, ob ich nicht etwas Relevantes finde. „Wozu kannst du denn das alles brauchen?“ – ihre lapidare Frage.

Dabei suche ich nicht krampf- oder gar zwanghaft – es ist nur so, dass meine selektive Wahrnehmung mich ständig auf Dinge aufmerksam werden lässt, die ich für relevant erachte, sie in meine Quellensammlung als Beweisstücke für die Vermittlung meiner Anliegen einzuverleiben. Das erscheint nicht-im-Metier-verhafteten Personen oft unverständlich. Medienpädagogik – wie ich sie verstehe – ist ganz wesentlich auf das Normale, die Freizeitgestaltung, die Orientierung im Alltag bezogen und daher bin ich ständig aktiv und ständig gefordert. Ich scanne ständig mit von mir internalisierten Kriterien. Somit bin ich als Medienpädagogin – so könnte man behaupten – ein Prototyp des modernen Menschen – ständig auf der Suche nach relevanten Inhalten und Ereignissen, immer wach, flexibel auf Entwicklungen reagierend – oft zu schnell für Strukturen, die sich nicht so schnell anpassen, für Vorgangsweisen, die lange Planungszeiten benötigen (wie z. B. im Bereich der organisierten Erwachsenenbildung).

Dem gegenüber steht die Erwartung der Öffentlichkeit, wenn ein Ereignis eine Woge der Entrüstung oder Bestürzung erzeugt (siehe Zöbern oder Erfurt), dass sich die mit Medien befassten Personen sofort kritisch dazu äußern. Manche MedienpädagogInnen tun dies, andere verweigern sich eher und belassen es bei ihrer kontinuierlichen und langfristigen Arbeitsweise. Zu letzteren zähle ich mich, wenngleich ich schon (erfahrungsbedingt?) manche Zugeständnisse mache. Persönlich halte ich nichts von Aktionismus, denn mit diesem ebbt die Welle und die Auseinandersetzung auch schnell wieder ab. Die Antworten sind ohnehin meist die gleichen und geändert wird nichts – zumindest nicht wirklich überlegt gehandelt. Allerdings lernt man mit der Zeit, bei bestimmten Wellen die erarbeiteten Unterlagen aus der Schublade zu ziehen und zu aktualisieren – das bringt zumindest Arbeitserleichterung. Das klingt vielleicht zynisch, soll es aber nicht sein. Schließlich hat man in einer sich über 30 Jahre hinziehenden Auseinandersetzung mit dem Thema Medienpädagogik (ja so lange gibt es sie schon) etliche Gezeiten erlebt. Das Spannende daran: zur Flut kommt immer wieder eine neue Welle hinzu – wobei die anderen aber nicht weniger relevant werden und einer bewussten Aktivierung immer wieder bedürfen.

  1. Gesellschaftliche Relevanz des Medienthemas in der Erwachsenenbildung

Im letzen Absatz deutet sich schon die Bedeutung der Medienpädagogik und damit die Thematisierung des Medienthemas in der Erwachsenenbildung an. Die Charakteristik der öffentlichen bzw. veröffentlichten Meinung ist ja darin zu sehen, dass sie durch Interessen gesteuert ist. Diese Thematisierungsfunktion der Medien zu erkennen, ist ein Eckpfeiler der Förderung von Medienmündigkeit. Bis zu einem gewissen Grad aber muss sich auch die Medienpädagogik – schon allein aufgrund der Tatsache, dass aktuelle Entwicklung aufgegriffen werden müssen, weil sie gerade relevant und daher auch für die Auseinandersetzung wichtig sind – an diese Entwicklung anhängen bzw. muss sie auch selbst aktiv werden. Wollen wir MedienpädagogInnen für unsere Zielgruppen von Relevanz sein, müssen wir ihre aktuellen Wünsche, Bedürfnisse, Sorgen und Ängste aufgreifen, und notwendige Kompetenzen aufbauen helfen. Wir dürfen also nicht nur reagieren, sondern müssen zunehmend auch vorausschauend agieren. Trendforschung ist nicht nur für die Werbung wichtig, sondern auch für die Medienpädagogik.

Ich begann meine medienpädagogische Karriere Anfang der 70er Jahre nach der Ausbildung zur Grundschullehrerin. Es gab damals den Film- und Fernseherlass des österreichischen Unterrichtsministeriums, der vorsah, dass audiovisuelle Bildung verstärkt im Unterricht stattfinden sollte. 1973 wurde dieser Erlass aufgrund der Bedeutung der Medien in der Gesellschaft in einen „Medienerlass“ umgewandelt. Dies war für mich nach dem Einstieg über die Filmerziehung im Rahmen von Filmen zur Diskussion (u. a. mit Werner Herzog im Salzburger Artis Kino) Anlass genug, Publizistik- und Kommunikationswissenschaft, sowie Psychologie und Soziologie als studium irregulare zu studieren. In meiner Dissertation habe ich die Situation der Medienpädagogik in allen deutschsprachigen Ländern (inklusive Schweiz und der ehemaligen DDR) erhoben. Für mich hatten alle gesellschaftspolitisch relevanten Studienrichtungen mit dem Medienthema zu tun. Die Medienpädagogik selbst war in diesen Jahren als ideologiekritische Medienpädagogik hoch politisch. Daneben entwickelte sich die Mediendidaktik mit einer ersten Technologieoffensive, die die Ausstattung der Schulen mit Videorekordern und Bildschirmen in den Klassen vorsah. Praktische alternative Medienarbeit wurde in der Jugendarbeit etabliert, Medientransparenz aus gesellschaftspolitischen Gründen gefordert und auch in Fernsehsendungen umgesetzt. („Glashaus- tv intern“. „betrifft: fernsehen“). Mit den Gestaltungsformen der Medien (Bernward Wember: Wie informiert das Fernsehen, 1976) setzten sich WissenschaftlerInnen und PraktikerInnen auseinander. In den 80er Jahren erhitzten dann die „Brutalovideos“ die Gemüter. Es folgte Ende der 80erJahre die Auseinandersetzung mit der Trivialität der entstehenden privaten Fernsehlandschaft in Deutschland.

Als somit deklarierte langjährige Akteurin auf dem Gebiet der Medienpädagogik habe ich verständlicherweise häufig Déjà-vu-Erlebnisse. Allen jetzt Studierenden lege ich daher sehr ans Herz, sich nicht nur im Internet zu orientieren, sondern sich die Bücher aus den 70er und 80er Jahren zu Gemüte zu führen. Sie werden sich wundern, was die inzwischen etwas angegrauten oder in die Politik gegangenen Herrschaften damals so dachten. Vieles ist aber immer noch aktuell und nicht nur von historischer Bedeutung.

Erwachsenenbildung zum Thema Medien wurde schon damals auch von mir betrieben, hatte aber insgesamt noch keinen hohen Stellenwert. Allerdings wurden Medienverbundprogramme des Fernsehens durch Elternbildungsseminare unterstützt („Immer dieses Fernsehen“). Solche Sozialphasen werden auch heute bei Fernstudien oder e-learning-Programmen als wesentliches Element berücksichtigt.

Medienpädagogik, also die Thematisierung von Medien, aktuellen Angeboten, Entwicklungen, Gestaltungsprinzipien, Fördermaßnahmen z. B. im IKT-Bereich usw. , ist im Erwachsenenbildungsangebot zwar nie der richtige „Feger“, aber sie ist wichtig und wird mit dem geforderten lebenslangen bzw. lebensbegleitenden Lernen noch wichtiger. Alle Erwartungen an eine Gesellschaft, die sich gerne als Informations- oder Wissensgesellschaft sieht, sind mit der Fähigkeit, aus Medien Informationen und Orientierung zu entnehmen, die vorhandenen Technologien zur Information und Kommunikation nutzen zu können, ihre Glaubwürdigkeit einschätzen zu können, also Informationskompetenz zu haben, gekoppelt. Alle Bildungsangebote sind im Netz zu finden, wobei sich die Frage stellt, wie die Menschen dazu kommen, das Internet kompetent zu nutzen. Wer macht sich darüber Gedanken? Ich beobachte z. B. eine ungeheure Arroganz des tertiären und posttertiären Bildungssektors in der bestürzenden Meinung, dass derjenige, der es nicht schafft, sich Information aus dem Internet zu holen, auch keine Weiterbildung brauche. Wir versuchen, dagegen etwas zu tun.

Auf dem technischen Sektor erleben wir heute eine ähnliche Entwicklung wie in den 70er Jahren, nur dass alles noch etwas teurer ist. Die Schulen werden technisch (für wie lange?) auf den neuesten Stand gebracht, die Lehrer werden eingeschult, Angebote für die Verwendung im Unterricht und als Bildungsportal werden entwickelt. Aber wer greift die Ängste der im Beruf nicht mit Computer und Internet befassten Personen auf? Wer holt die Menschen in ihrer Situation und Befindlichkeit ab und begleitet sie zu einer für sie relevanten Nutzung?

Von LehrerInnen kann (theoretisch) relativ leicht gefordert werden, die Erwartungen der Gesellschaft im Hinblick auf den Einsatz neuer Medien zu erfüllen. Die Integration in den Unterrichtsalltag wird sich bei entsprechender Kompetenz auch ergeben, aber die Relevanz der Mediennutzung für den nicht beruflichen und nicht schulischen Alltag bleibt so unberücksichtigt. Hier muss sich die Eltern- und Erwachsenenbildung des Themas annehmen. Die Bandbreite reicht von der Aufklärung der Eltern über die Erwartungen der unsere Lebensbedingungen gestaltenden Politik (so sehen z. B. die EU-Fördermaßnahmen vor, dass jeder Schüler/jede Schülerin Ende 2003 eine eigene e-mail-Adresse hat und damit das Internet nutzt) bis zu die Persönlichkeit stärkenden Maßnahmen (z. B. im Hinblick auf Suchtgefährdung) jeder Art. Dabei spielt das Medienthema in vielfältiger Art und Weise eine wesentliche Rolle.

Wir tragen dem im Rahmen der Angebote seitens unserer St. Pöltner (Niederösterreich) Medienpädagogischen Beratungsstelle Rechnung durch

Dieses Angebot wird durch Entwicklungen aus Projektarbeiten ständig aktualisiert und erweitert. Schwerpunktsetzungen sind aufgrund geringer personeller und finanzieller Kapazitäten notwendig. Das zwingt uns einerseits, unsere Tätigkeit zu „verkaufen“, ermöglicht es uns aber auch, auf aktuelle Bedürfnisse relativ schnell zu reagieren.

Medienpädagogik und damit die Förderung von Medienkompetenz ist ein Paradebeispiel für sich laufend erneuernde, flexible Angebote und Angebotsformen, ohne die Basisangebote vergessen zu dürfen. Die Erwartungen an Medienpädagogik in der Gesellschaft sind ja sehr wohl meist ganz traditionell orientiert und nicht selten werden unsere Referentinnen in Vorgesprächen aufgefordert, es nur ja den Eltern zu sagen, dass die Kinder nicht so lange fernsehen sollen. Von solchen Forderungen darf man sich dann nicht abschrecken lassen, sondern muss sie als Chance sehen. Schließlich muss man aber auch die entsprechenden Methoden anwenden, um solche Erwartungen dann eben gerade nicht zu erfüllen, aber deshalb umso mehr Hilfe für den Umgang mit Medien anzubieten. Das ist oft eine schwierige Gratwanderung und erfordert hohes Einfühlungsvermögen und hohe medienpädagogische und didaktische Kompetenz.

Professionalisierung ist daher angesagt. Ein oberflächliches sich Aneignen von Wissen über Medien und Medienwirkungen reicht heute nicht mehr aus, um solche Abende zu bestreiten. Es erfordert großes Geschick, die Erwartungen des Einladenden und des Publikums mit den Notwendigkeiten einer Gesellschaft, die zu einem hohen Maß von Medien bestimmt ist, in Deckung zu bringen. Es setzt Kenntnis der möglichen Vorbehalte ebenso voraus wie die der aktuellen Medienangebote – der kritisch zu beleuchtenden ebenso wie der pädagogisch zu empfehlenden – mit den Notwendigkeiten einer Informationsgesellschaft und einer grundsätzlich den Medien gegenüber positiven Einstellung im Hinterkopf.

Jede einseitige Zugangsweise ist dabei abzulehnen. Es darf weder zu einer Verteufelung der kommerziellen Medienangebote kommen, noch zu einer Technikeuphorie, die mögliche Gefahren ausblendet. Eine realistische Einschätzung der Gegebenheiten, der Kontroll- und Schutzmöglichkeiten und der Förderung von Medienkompetenz muss MedienpädagogInnen auszeichnen, die in der Erwachsenenbildung tätig sind. Oft kommen noch generationsspezifische Erwartungen hinzu, die sich aus der Tatsache, dass Großeltern zunehmend Verantwortung für die Kindererziehung übernehmen (müssen), ergeben. Hier gibt es noch eine große Herausforderung für die Medienpädagogik.

Eine ebenfalls noch unterbelichtete Aufgabenstellung liegt in der Kommentierung von Entwicklungen im Bereich der Medienpolitik und der Medienförderung. MedienpädagogInnen müssen sich verstärkt auch als Konsumentenvertreter in die Diskussion einbringen bzw. eine Diskussion anregen. In Zukunft sollte nun endgültig Schluss sein mit der Vorstellung, Medienpädagogik als Reparaturbetrieb für Versäumnisse sowohl seitens der Medien als auch der allgemeinen Pädagogik zu sehen. Medienpädagogik aus meiner Sicht ist auch nicht nur ein Spezialbereich der Pädagogik oder der Medienwissenschaft, aber auch nicht der Computerindustrie, die die Medienkompetenzdiskussion heute für sich beansprucht. Ich möchte Medienpädagogik aber auch nicht über Negationen definieren. Medienpädagogik ist die Auseinandersetzung mit den Beziehungen zwischen Menschen und Medien, die in vielfältigen Feldern zum Thema werden können. Sie wird sehr verkürzt, wenn sie nur in traditionellen Bildungsbereichen angeboten wird., obwohl es natürlich schwer ist, sie in unabhängiger Position zu etablieren. Am wenigsten durch Strukturen beengt, aber umgekehrt auch abgesichert, ist der Bereich der Erwachsenenbildung. Er greift immer wieder in bestehende Strukturen, hat aber auch die „Narrenfreiheit“, eigenständige und unkonventionelle Angebote zu machen. Ob sie angenommen wird, hängt dann von der Professionalität der Anbieter ab. Alles ist möglich – auch das Scheitern.

  1. Die Medienpädagogische Beratungsstelle an der NÖ Landesakademie

Die Beratungsstelle – auf drei Jahre geplant – wurde als Forschungs-, Schulungs- und Beratungseinrichtung in medienpädagogisch relevanten Themenbereichen an einer landesnahen Fortbildungs- und Forschungseinrichtung angesiedelt und ist jetzt im 5. Jahr ihrer Existenz als Projektpartner etabliert. Sie versteht sich als Ansprechpartner für Eltern, PädagogInnen, Kinder und Jugendliche, aber auch für Politiker und Journalisten. Ihre wesentliche Aufgabe besteht in der Förderung von Medienbildung und Medienkompetenz in der Medien- und Informationsgesellschaft in Vorbereitung auf die Wissensgesellschaft und umfasst

Wir bieten Unterstützung bei der Auseinandersetzung mit Medien, damit Pädagoginnen, Familien, Kinder und Jugendliche diese bewusst, kritisch und gewinnbringend in ihren Alltag integrieren können. Aufgrund der Nachfrage liegen die Schwerpunkte unserer Arbeit bei den audiovisuellen Medien, und in der Förderung von Kompetenzen im Umgang mit Computer und Internet.

  1. Kompetenzen

Die inhaltlichen und formalen Kompetenzen für die Ausübung einer solchen Tätigkeit kann man sich durch einschlägige Studien und Praxis in möglichst unterschiedlichen Tätigkeitsfeldern erwerben. Dabei kann jemand aus der Jugend- und Sozialarbeit genauso kommen wie aus den Medien. Was zählt, ist zum einen die Einstellung zu den Menschen, und dass ich ihnen helfen will, die medialen Strategien zu durchschauen, damit sie frei entscheiden können, und zum anderen die Haltung gegenüber den Medien. Medien sind für unsere Gesellschaft prägend und gerade deswegen dürfen sich die Medienmacher nicht alle Freiheiten nehmen. Wir fordern Verantwortungsbewusstsein von allen Beteiligten.

Weiters ist es entscheidend, für Kooperationen offen zu sein, mit verschiedensten Einrichtungen, deren Infrastruktur und Veranstaltungsangebot man mitbenutzen kann, zusammenzuarbeiten. Vernetzung der Akteure wäre wichtig, scheitert aber oft noch an mangelnder individueller Absicherung und am Zwang zur Konkurrenz um die geringer werdenden finanziellen Mittel seitens der öffentlichen Hand.

Nicht zu unterschätzen sind auch organisatorische und betriebswirtschaftliche Kenntnisse, sowie Einblicke in politische Strukturen und Gegebenheiten, die man aber oft erst durch – teils leidvolle – Erfahrungen gewinnt. Anzustreben wäre für solche Einrichtungen die Trennung von inhaltlichen und organisatorischen Aufgaben. Dazu bedarf es aber einer minimalen gesicherten finanziellen und personellen Basis.

Hohes Engagement und die Bereitschaft, mehr als das Übliche zu tun, oftmals bis zur persönlichen Ausbeutung, sind charakteristisch für eine medienpädagogische Tätigkeit, denn die Einsicht in ihre Notwendigkeit und damit die Akzeptanz und dafür notwendige Absicherung der Existenz, die dann eine Reduktion des Arbeitsaufwands für die einzelnen Akteure bedeuten könnte, ist noch nicht in Sicht.

  1. Tipps für Studierende der Medienpädagogik

Medien- und journalistische Berufe bzw. solche im Werbe- und Marketingbereich sind besonders für jüngere Menschen faszinierend. Die Einstellung zu diesen Berufen ist nicht unwesentlich durch unser Bild von den Medien, transportiert über Medien, als mitten im Zentrum der Macht stehend, geprägt. Versuche, die Medienpädagogik als 5. Macht (nach den drei Staatsgewalten und den Medien als 4. Macht) zu etablieren, sind ehrenvoll, erscheinen mir aber etwas überzogen. Medienpädagogisches Handeln ist nicht mit einem Herrschaftsanspruch, wohl aber mit einem gesellschafts- und sozialpolitischen Anliegen zu vereinbaren. Medienkompetenz ist eine Grundvoraussetzung für eine funktionierende Informationsgesellschaft. Sie ist die neue Form von Alphabetisierung im ursprünglichen Sinn und deshalb sollten ihre VermittlerInnen eigentlich hohe gesellschaftliche Akzeptanz genießen. MedienpädagogInnen sind auch irgendwie das soziale Gewissen – klären auf, bringen Licht in manches Dunkel, leiten an, hinterfragen, fordern Verantwortung ein, weil sie andere Kriterien als die Macher haben. Das macht MedienpädagogInnen nicht immer und überall beliebt, aber es ist wichtig, dass es sie jetzt und in Zukunft gibt. Kompetenter und engagierter Nachwuchs ist daher immer gefragt.

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